RABENVÖGEL:

Intelligente Schönheiten - Mythos und Wahrheit

Tlingit Indianer und Raben

TlingitmapDie Tlingit (auch Thlinget, Tlinkit) sind ein Indianervolk Nordamerikas, das eine Na-Dené-Sprache spricht. Sie selber bezeichnen sich als Lingit – ‘Menschliche Wesen’, die Russen nannten sie Koloshi (Колоши) (abgel. vom Alutiiq-Wort für Labret-Piercing), hiervon leitet sich die inzwischen nur noch selten gebrauchte deutsche Bezeichnung Koulischen ab. Früher zählte man sie zusammen mit den Nisga’a und Gitxsan zu den Tsimshian, wobei die ersteren als Binnen-Tsimshian, die eigentlichen Tsimshian als Küsten-Tsimshian bezeichnet wurden (Interior bzw. Coast Tsimshian).

Das traditionelle Siedlungsgebiet der ca. 10.000 Tlingit erstreckt sich über die Küstenregionen des südöstlichen Alaska (Vereinigte Staaten) und die äußersten Randbereiche der kanadischen Provinzen Britisch-Kolumbien und Yukon-Territorium.

 

Frühgeschichte

TlingitTotempfahlDer Totempfahl erzählt, wie sich der Rabe die Sonne, den Mond und die Sterne von einem Häuptling wünschte, der diese Schätze in einem mehrfach verschachtelten Kästchen aufbewahrte. Zu dieser Zeit war die Erde ohne Sonne und wurde nur von einer trüben Lichtquelle erhellt. Der Rabe verwandelte sich in den Enkelsohn des Häuptlings und schrie so lange, bis der Häuptling ihm das Kästchen zum spielen gab. So befreite er die Sonne, den Mond und die Sterne. Danach verwandelte er sich in seine richtige Gestalt zurück.

Der Rabe spielt in der Mythologie der Tlingit eine wichtige Rolle. Er stahl das Tageslicht von Naas-sháki Yéil oder Naas-sháki Shaan. Dieser Alte Mann besaß drei legendäre Kästen, die die Sterne, den Mond und die Sonne enthielten, die der Rabe entkommen ließ. Diese Schöpfungsmythen sind Gemeineigentum und dürfen, im Gegensatz zu Familiengeschichten, von jedermann erzählt werden. In ihnen spiegelt sich die Erinnerung an weit zurückliegende Wanderungen wider, wobei die meisten die Tlingit auf die Athabasken zurückführen. Doch deuten sie Verbindungen nicht nur ins Hinterland an, sondern auch weit nach Süden.

1996 wurden auf Prince of Wales Island Rückenwirbel, Rippen, Zähne, der Kiefer und ein Beckenknochen gefunden, deren Alter auf 10.300 Jahre datiert wird. Sie gehörten einem Mann in den Zwanzigern, der überwiegend von Seetieren lebte. Die begleitenden Obsidianfunde deuten auf weiträumige Tauschbeziehungen hin, denn Obsidian gibt es in der Region nicht. Genetische Untersuchungen sprechen für eine Verwandtschaft mit den heutigen Tlingit.

Tlingitmaske

Gesellschaft

Die Tlingit waren in zwei Hälften oder Moieties unterteilt und jedes Stammesmitglied wurde entsprechend der Abstammung seiner Mutter zugeordnet – die einen dem Raben, die anderen dem Wolf (gelegentlich auch Adler genannt). Innerhalb dieser Hälften durfte nicht geheiratet werden. Die Kinder blieben bei der „Hälfte“ der Mutter.

Moieties wiederum gliederte man in Klans (die Rabenhälfte bestand aus 27 Clans), die ihre Abstammung auf einen gemeinsamen Ahnen zurückführten. Die soziale Grundeinheit war jedoch die Lineage, deren Mitglieder in mütterlicher Linie miteinander verwandt waren. Jede Lineage hatte ihren eigenen Häuptling, der aber keine umfassende Autorität besaß. Verschiedene Lineages konnten beispielsweise im Krieg kooperieren, aber es gab keinerlei Verpflichtung dazu.

Sie lebten in großen hölzernen Gemeinschaftshäusern mit Giebeldach, in denen 50 bis 100 Menschen lebten. Die Hauspfosten waren mit Totem-Symbolen des entsprechenden Clans verziert. Mehrere solcher Häuser bildeten ein Dorf. Möglicherweise um 1800 vereinigten sich aus einer oder mehreren Lineages bestehende Stämme in gemeinsamen Dörfern, doch in neuerer Zeit hat jede Lineage anscheinend ihr eigenes Dorf. Jede Lineage hatte und nutzte eigenes Land und fungierte als zeremonielle Grundeinheit.

Die Lebensgrundlage der Tlingit war die Fischerei, wobei der Lachs mit Harpunen, Netzen und Fallen gefangen wurde. Außerdem jagten sie See- und Landsäugetiere. Holz war der wichtigste Werkstoff für Häuser, Kanus, Geschirr, Gebrauchsgegenstände und andere Objekten. Große dauerhafte Häuser baute man in der Nähe von guten Fischplätzen und sicheren Anlegestellen für Kanus, oft lagen sie vor den Gezeiten geschützt am Ufer einer Bucht. Die Häuser wurden nur im Winter bewohnt, im Sommer ging man zum Jagen und Fischen.

Um beispielsweise den Tod eines Häuptlings zu betrauern, feierten die Tlingit den Potlatch, einen Zyklus von Ritualen, der in der Verteilung von Geschenken gipfelte.

Die beherrschenden Clans waren die Yeil oder Raben, die Gooch oder Wolf und Chaak oder Adler. Die für die zahlreichen Rituale notwendigen Gegenstände gehörten jeweils dem ganzen Clan. Sie wurden vor allem von den Schamanen verwendet, die eine einflussreiche Stellung innehatten. Nach ihnen war jedes Ding und jedes Wesen beseelt, dementsprechend war die Jagd von strengen Ritualen begleitet. Die Gesellschaft der Tlingit ist traditionell in matrilinear organisierte Clans strukturiert.

Bis ins 19. Jahrhundert wurden Mädchen mit dem Beginn der Pubertät für mehrere Monate von der Gesellschaft isoliert und in einer fensterlosen Behausung weggesperrt. Sie erhielten einen zunächst dünnen Lippenpflock als Zeichen der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Die Initiationszeit schloss mit einem Freudenfest ab. Erwachsene Frauen trugen einen im Lauf des Lebens immer größer werdenden Lippenpflock aus Holz.

 

Updated: 14/10/2015 — 22:44
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